Atmen Ameisen Abflugbereit Auf Apfelbäumen im April Ahnen auch die Ahnungslosen Allerlei Aufregung
Blätterteig bläht sich Auf dem Blech im Backofen Blasen, Beulen, ein butterweiches Ballett Choreographiert Im Curry Curcuma Café Durch und durch delikat.
Dösen drei Drachen Dort im Durchgang Der Dornenhecke Ein Einbrecher mit Eimer Eilt durch die Einbahnstraße: Feierabend!
Frühe Fähren auf dem Fluss Freche Finken in den Flatterulmen Flügel glänzen am Himmel Juwelengleich kosmisch Libellen? Mosaikfliegen? Nein: Ameisen im Aufbruch Durchqueren das Alphabet, Blenden die Drachen, Die blinzeln und sich erheben Ebendeswegen
Der Eimer fällt Der Deckel springt Es fließt das Geld Und Paula Paprika Auf dem Weg zum Jobcenter Zückt eine Tüte und füllt sie Mit klingenden Münzen.
Sieben Lügen braucht sie Für einen lückenlosen Lebenslauf Und einen heißen Gewürztee Im Curry Curcuma Café
Der Einbrecher eilt weiter Immer lästig mit dem Kleingeld Und dann diese Drachen Die plötzlich erwachen Und gähnen Mit blutroten Rachen
Kein Geld ist Kleingeld Denkt Paula Paprika Und kein Leben hat Lücken Ein Lebenslauf ist nur Eine Aufzählung von Zeiten In denen sie Für jemand anders Nützlich war Zu viel Nützlichkeit schadet der Gesundheit Paula schlürft den Gewürztee Und beißt in den Gemüsestrudel Sie mag Eimer, aus denen Geld kommt
Am Nebentisch sitzt der Einbrecher Bei Blätterteig und Rentenrechner Sieben Jahre hat er noch Die Kur wurde abgelehnt Samstag ein Seminar zur Stressbewältigung Dort muss er wieder lügen Beruf: Umzüge zur Unzeit Besondere Belastung: Nachtarbeit Nein, schwer ist es nicht Was er so von einem Ort zum anderen trägt Aber er leidet unter Verfolgungsängsten
Meine Mutter hatte im Schlafzimmer eine Kommode mit zwei abgeschlossenen Schubladen. Der Schlüssel für die obere Schublade hing an einem Haken an der Rückseite der Kommode. Ein umsichtiger Dieb oder neugierige Kinder konnten ihn schnell entdecken und so an die Schmuckschatulle gelangen. Wir streichelten die glatten Perlen der Kette, zogen die Ringe über den Daumen, der als einziger dick genug war, um sie halbwegs auszufüllen, oder steckten uns die Pfauen-Brosche an, was schmerzhaft enden konnte, wenn die Nadel, die in den Stoff hinein geglitten war, an unerwarteter Stelle wieder zum Vorschein kam und in die Fingerkuppe stach.
Den Schlüssel für die zweite Schublade suchten wir vergebens. Warum hing er nicht auch am Haken an der Rückseite der Kommode? Was verbarg sich in dieser Schublade? Was war meiner Mutter kostbarer als ihr Schmuck; was wollte sie besser vor Entdeckung schützen?
Es gibt Geheimnisse, die liegen gleich unter der Oberfläche; man kratzt ein bisschen und sie scheinen durch. Sie sind vielleicht peinlich, aber erzählbar, so etwas wie entzündete Hämorrhoiden, über die man nicht gerne spricht. Man tut so, als hätte man sie nicht, und dann erzählt man es doch einmal und merkt, das ist gar nicht so schlimm.
Und dann gibt es Geheimnisse, die Teil eines Lebenskonstruktes sind, fest eingebaut in die eigene Identität. Etwas, das da ist, soll nicht sein, oder etwas, das es gar nicht gibt, soll sein. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Illusionen aufrecht zu erhalten, und wir haben alle ein paar, die wir nicht gerne hergeben.
Die tragenden Wände von Geheimnissen sind Lügen; freche, fromme und raffinierte Lügen, und dichtes Schweigen. Wenn jemand das Schweigen bricht und die Lügen aufgedeckt werden, tragen die Wände nicht mehr und stürzen ein. Dann klaffen Löcher und legen das frei, was niemand sehen sollte. Ein Teil des eigenen Lebens muss revidiert werden, neu gesehen, neu bewertet, und das ist immer mit Schmerzen verbunden.
Als eines Tages, nach 25 Jahren ohne Kontakt, mein Bruder auf meiner Mailbox zu hören war, hatte ich ihn plötzlich als schmuckbehängten kleinen Jungen vor Augen, und musste an die verschlossene Schublade denken, deren Schlüssel wir vergebens gesucht hatten.
Er bat mich um Rückruf, sagte nicht warum. Etwas zittrig rief ich zurück. Ich vermutete, dass der Grund, sich nach so langer Zeit bei mir zu melden, der Tod meiner Mutter war. Ich irrte mich insofern, als ihr Tod kein Grund für ihn war, mich anzurufen. Der Anruf kam erst 9 Tage später, als die Trauerfeier und die Einäscherung schon vorbei waren, und er feststellen musste, dass er für die Urnenbestattung in seinem Garten die Unterschriften von mir und meiner Schwester brauchte.
Gleich zu Beginn des Telefonats sagte er: “Die Mama hat so darunter gelitten, dass ihr euch nie bei ihr gemeldet habt.” Ich holte Luft, um ihm zu widersprechen; wusste dann aber nicht, wie ich in ein paar Sätzen zusammenfassen sollte, was mir bei diesem Vorwurf alles einfiel. Und so sagte ich nichts dazu und ließ ihm seine Vorstellung: eine leidende Mutter, die sich nach ihren Töchtern sehnt, die ihr den Kontakt verweigern.
Meine Mutter war immer Leidende gewesen. Sie war unterdrückt; das vermittelte sie mir, lange bevor ich etwas von Feminismus wusste. Sie litt darunter, immer zu Hause sitzen zu müssen, während mein Vater in der Stadt zu tun hatte oder auf Geschäftsreise ging. Sie hatte keine Freiheit und war darüber unglücklich, und die Aufgaben, die ihr zugeteilt waren, waren mühsam und unattraktiv. Dieses Saubermachen und Kochen: Tätigkeiten, die unsichtbar wurden, sobald das Essen gegessen und die Wohnung wieder dreckig war.
Meine Mutter war Ehefrau, Hausfrau und eben Mutter, und nicht mehr. Und dann fing sie an, abends in die Kneipe zu gehen, wo sie flirtete, rauchte, trank: das waren ihre Freiheiten. Sie nahm erst meine Schwester und dann mich mit, und sie nahm sich einen Liebhaber nach dem anderen. Sie war immer Gebende gewesen und dann Nehmende geworden. Als Kind fand ich das gerecht. Mir schien es damals so, als hätte sie keine andere Möglichkeit, als meinen Vater zu betrügen.
Seit ich 11 Jahre alt war, gehörten diese Kneipengänge zu meinem Leben dazu, genauso wie das nach Hause kommen, wo wir auf meinen Vater und meinen Bruder trafen, die meistens gemeinsam vorm Fernseher saßen. “Wo wart ihr?”, schrie mein Vater, und: “Ihr stinkts nach Rauch und Schnaps!”
Es war also kein Geheimnis, mein Vater hatte die Wahrheit sofort erkannt. Aber Wahrheit braucht Bestätigung. Und die bekam mein Vater nicht. Denn ich erzählte eine andere Geschichte. Im Auto, auf der Rückfahrt, lutschten wir Pfefferminzbonbons, “um uns frisch zu machen”, wie meine Mutter es nannte, und dann fragte sie immer: “Was erzählen wir denn zu Hause?” und meine Phantasie sprudelte. Meistens waren wir bei einer meiner zahlreichen Freundinnen gewesen. Ich hatte ihnen bei einer Rechenaufgabe geholfen oder sie mir beim Topflappen stricken. Wir spielten Seilspringen mit Gedichten, und ich gewann immer dabei. Wir fütterten die neuen Goldfische mit der Pinzette oder mussten 5 Hunde ausführen; der kleinste fiel beinahe durchs Kanalgitter, der größte stemmte seine Vorderpfoten auf die Ladentheke des Fleischhauers, damit er einen Wurstzipfel bekam.
“Du spinnst!”, schrie mein Vater. Ich hatte Angst vor ihm, wenn er seinen roten Kopf bekam und der Kragen zu eng wurde für seine Wut; aber ich schrie zurück. Meine Mutter stand schweigend daneben. Sie war zu schwach, ich musste das regeln. Sie schwieg auch, wenn er ihr vorwarf: “Du verdirbst die Kinder!” Ich warf mich für meine Mutter in die Bresche, mit so einem Eifer, dass mein Vater mich einmal, als wir nach Hause kamen, nicht hinein ließ, sondern mich aussperrte, um mit meiner Mutter alleine zu reden.
Da saß ich dann auf den kalten Stufen und weinte, weil ich meiner Mutter nicht helfen konnte. Mir war schlecht, weil ich wieder zu viel getrunken hatte, ich wollte ins Bett, mein Vater sollte uns in Ruhe lassen. Ich hasste dieses Geschrei, und es machte mir auch keinen Spaß mehr, Geschichten zu erfinden. Ich hatte gar keine Freundinnen, in Wirklichkeit, niemand lud mich ein, und wenn ich in der Hofpause mal beim Seilspringen mitmachen durfte, stellte ich mich so ungeschickt an, dass sich die anderen über mich lustig machten.
2026, numerisch betrachtet, bietet als Quersumme die 10 (2+0+2+6=10) , eine Zahl, die mit Vollendung assoziiert wird, weil wir mit dem Dezimalsystem arbeiten, das so gut zu unseren zehn Fingern passt.
Die Quersumme von 10 ist 1 (1+0=1), von jeher ein Symbol für den Neuanfang. Beim Addieren von 10 und 1 stoßen wir auf die 11, Primzahl und Schnapszahl, die sowohl an Fußball als auch an Fasching erinnert.
Und schließlich, mit der Quersumme von 11, (1+1=2), ergibt sich die Zwei, die mit dem Zweifel verwandt ist und darauf hindeutet, wie wichtig es ist, unser Wissen auch immer wieder in Frage zu stellen.
Die 11 ist im Periodensystem der Elemente dem Natrium zugeordnet, einem wachsweichen, silberglänzenden Metall, das in luftdicht verschlossenen Stahlfässern gelagert werden muss, weil es so stark reagiert. Ebenfalls hochreaktiv ist Chlor, die Nummer 17 im Periodensystem, (Quersumme 8, eine Zahl, auf die ich später noch zurückkommen werde). Chlor ist ein gelbgrünes, übel riechendes, sehr giftiges Gas. Wie erstaunlich, dass die Verbindung dieser beiden Elemente eine Substanz hervorbringt, die in Farbe, Konsistenz und Verhalten in keinster Weise an ihre ursprünglichen Zutaten erinnert. Es entsteht dabei nämlich Natriumchlorid, unser Kochsalz.
Jede Jahreszahl hat neben ihrer numerischen Bedeutung immer auch eine religiöse und eine politische. Wenn wir das neue Jahr “2026” nennen, beziehen wir uns auf die christliche Zeitrechnung, die andere Zeitrechnungen wie die jüdische, die islamische, die chinesische und weitere, an Bedeutung überholt hat, und mittels kolonialer und kapitalistischer Verbreitung, heute weltweit als Haupt-Zeitrechnung verwendet wird. Sie ist zu einem Symbol für christlich europäische Vorherrschaft geworden.
Vor 2026 Jahren wurde ein gewisser Jesus geboren. Es gibt auch Stimmen, die behaupten, dass es ein Mädchen gewesen war, Susi genannt, und ob ihrer Widerspenstigkeit des öfteren “Ja Susi!” getadelt, woraus dann der Name “Jesus” wurde. Aber das ist wahrscheinlich nur ein Gerücht.
Der männlich gelesene Jesus ist auf jeden Fall das wohl bekannteste mensch-göttliche Wesen aller Zeiten geworden. Er hat in mindestens 4 Religionen erfolgreich Platz genommen. Während er im Christentum als Sohn Gottes eine herausragende Stellung hat, und im Judentum nur eine nebensächliche, ist Jesus im Islam ein Prophet, der, anders als andere Propheten, Wunder vollbringen kann, und im Hinduismus wird er sogar als Gott anerkannt; allerdings muss er sich diese Stellung mit vielen anderen Göttern und Göttinnen teilen.
Religionen haben oft mehr miteinander gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheinen mag, und manchmal werden die Grenzen zwischen ihnen auch nicht so streng gezogen. In Gaza war es früher üblich, dass Muslime an Weihnachten mit ihren christlichen Nachbarn in die Kirche gingen — genauso, wie christliche Palästinenser*innen an muslimischen Feiertagen die Moschee besuchten. Mittlerweile sind fast alle Kirchen und Moscheen im Gazastreifen zerbombt, niemand kann sich mehr dort treffen.
Der orthodoxe Theologe Jousef AlKhoury¹ berichtet, dass es in Palästina unter Nachbarinnen üblich war, Kinder gemeinsam zu stillen; religiöse Verschiedenheiten spielten dabei keine Rolle. Kinder, die von derselben Frau gestillt worden waren, galten als Geschwister. So wurden Verbindungen aufgebaut und eine erweiterte Familie kreiert, die sich nicht auf die eigene Nachkommenschaft beschränkte.