Texte
Hier findest du:
Unter dem jeweiligen Namen Textausschnitte der einzelnen Geschichten;
nachfolgend kurze Eindrücke dieser und neun anderer Kurzgeschichten.
Von den anderen neun Geschichten sende ich euch gerne längere
Textauszüge per email zu.
Die Geschichten sind mit "kurz" (bis zu 12 Seiten) oder
"lang" (20 Seiten und mehr) bezeichnet.
"Bei
den Perversen":
Später fragte Sybille die Großmutter: "Sag mal,
was sind 'Per-'" – wie hatte die Mutter die neuen Nachbarinnen
genannt? - "-verse?" "Verse?" sagte die Großmutter,
die schlecht hörte, "Verse sind etwas sehr Schönes."
kurze Geschichte
"In meinem Tiefkühlfach":
In meinem Tiefkühlfach
wohnt seit ein paar Wochen meine Mutter. Eines Tages im September
kam sie zu Besuch und seither lebt sie im Tiefkühlfach und
ißt mir mein Schokoladeneis weg. kurze Geschichte
"Bis
über beide Ohren": "Weißt du noch,
als wir uns das erste Mal begegnet sind, hast du gesagt, dass ich
so schöne Augen hätte, und – ich hab sie immer noch.
Vielleicht willst du sie ja mal wieder sehen ..." kurze Geschichte
"Kabulde":
"Kabulde kommen manchmal in der Nacht und schlüpfen in
deine Nase. Dann wandern sie ins Gehirn und rauben dir alles, was
du für den nächsten Schultag gelernt hast." kurze
Geschichte
"Zu
viele Lesben": "Wo kämen wir denn da hin,
wenn plötzlich jede lesbisch sein dürfte!" Ich finde,
es ist ganz klar: Lesben sind Frauen, die als Frauen geboren wurden
und nichts anderes als Frauen sein wollen und die andere Frauen
- und nur Frauen - begehren, die auch die immer schon und immer
noch, ihr wißt, pur nur Frauen sind. Ist doch logo, oder?"
kurze Geschichte
"Sehnsucht
nach der Steinziegenmalerin": "Die Wälder
sind hier so schön!" ruft Lotte begeistert, als sie aus
dem Zugfenster sieht. "Aber das ist doch nicht echt."
Marit schüttelt den Kopf. "Sei nicht so naiv! Das ist
alles nur gemalt." "Wie, gemalt?" "Die Bundesbahn
lässt Kartonwände aufstellen und darauf müssen die
Arbeitslosen Landschaften malen." kurze Geschichte
"Abschied nehmen":
"Ich wusste nicht, dass dich der Tod meiner Tochter so interessiert",
schnappt meine Mutter zu Tante Käthe hin, "schließlich
warst du jahrelang nicht mehr zu Besuch." "Ich habe euch
immer zu allen Begräbnissen eingeladen!" "Wir wären
aber lieber zu den Geburtstagen gekommen." kurze Geschichte
"Großmutter hat
einen Krebs": Er sitzt in ihrer Lunge und kommt nicht
wieder heraus. Alle sind böse auf den Krebs: die Mutter, der
Vater, Onkel Theo, der Arzt und auch die Nachbarin. Sie wollten
die Großmutter aufschneiden, um den Krebs aus ihr herauszuholen,
aber das war nicht möglich, weil Großmutters Herz das
nicht mitmacht. kurze Geschichte
"Katzen könnten Feuer
fangen": Ein Mandelsplitterriff, ein Vanilleschotendickicht,
eine Hagelzuckerlandschaft, ein Ameisenhaufen aus Anis und ein Kaffeebohnendurcheinander.
Im nächsten Raum lag auf einem Mehlgebirge eine Zuckerbäckerin.
Sie schlief in einer Mulde aus Mehl, den Kopf auf das weiße,
vielleicht noch warme Getreide gebettet, die schwarzen Haare mehlbestäubt.
lange Geschichte
"Eine Lesbe aus heiterem
Himmel": Jeden Abend kochte Marlen mir Grießbrei,
goß zerschmolzene Butter darüber und bestreute ihn sorgfältig
mit Zimt und Zucker. Und gestern abend auch mit Zyankali. kurze
Geschichte
"Mein Vater war nicht
feuerfest": Ich habe gerne sein Gewand an: Unterhosen,
Socken, Hemden und Sakkos. Seine Schuhe haben sehr glatte Sohlen,
sodaß ich damit leicht ausrutsche, aber manchmal ziehe ich
sie trotzdem an. Und dann lasse ich meine Finger durch die kühlen
Krawattenstoffe gleiten. An die hundert Krawatten baumeln an der
Stange. Ich suche eine aus, lege sie um und knüpfe den Knoten.
lange Geschichte
"Ahnung":
Heute morgen, als ich zur Straßenbahnhaltestelle gehe, stolpere
ich über einen Kanaldeckel, der sich gerade öffnet. Heraus
steigt eine Frau, gekleidet in rot und gold, die sich sogleich bei
mir unterhakt: "Wissen Sie, jeden Morgen trampeln Sie über
mich hinweg, jetzt will ich Sie einmal begleiten." kurze Geschichte
"Reizende Begegnung im
ICE": "Weil wir uns jetzt schon ein wenig nähergekommen
sind, kann ich Ihnen ja auch mal sagen, daß ich das sehr ungerecht
finde, wie Sie diskriminiert werden. Sie brauchen es mir gar nicht
zu erzählen, ich weiß ja, was Sie durchmachen, Tag für
Tag; und das in einer Demokratie!" kurze Geschichte
"Fähre zum anderen
Ufer": Plötzlich drang die schneidende Stimme von
Frau Jeminek quer durch den Turnsaal: "Geh in die andere Gruppe,
Alice! Du kannst nicht ständig mit Maria herumhängen."
Ich stand starr. Immer war ich mit Maria zusammen und es war immer
schön. Hier geschah etwas, das nicht sein durfte. Es durfte
ganz und gar nicht sein. Eine Ordnung wurde gebrochen. lange Geschichte
"Das Urteil":
Zu guter Letzt muß ich die Todesurteile unterschreiben. Das
mache ich nicht gerne. Ich verabscheue es geradezu. Am Anfang habe
ich immer versucht, mich zu weigern. Aber ich darf nicht gehen,
ich darf nicht in mein Bett zurück, bevor ich nicht alles unterschrieben
habe, jedes einzelne Todesurteil. kurze Geschichte
"Fliegen wollen":
"Ich möchte im Himmel herumfliegen!" beharrte das
Blatt.
"Es tut mir leid, aber das wird nicht passieren", seufzte
der Baum. "Du bist ein Blatt und Blätter fallen zur Erde."
"Bei mir ist das anders." kurze Geschichte
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