Texte | Sehnsucht
nach der Steinziegenmalerin
"Sind hier noch 3 Plätze frei?" Die
beiden alten Damen im Rollstuhl nicken und drei junge Frauen drängeln
sich ins Abteil. Sophia legt ihren rosa Regenschirm und das gelbe
Nashorn ins Gepäcknetz, Marit holt eine Tafel Schokolade aus
ihrer Rucktüte und Lotte sieht aus dem Fenster. Der Zug fährt
los und bald sind die letzten Häuser verschwunden. "Die
Wälder sind hier so schön!“ ruft Lotte begeistert.
"Aber das ist doch nicht echt!" Marit schüttelt den
Kopf. „Sei nicht so naiv! Das ist alles nur gemalt."
"Wie, gemalt?" empört sich Lotte.
"Die Bundesbahn lässt Kartonwände aufstellen",
mischt sich die eine alte Frau jetzt ein, "und darauf müssen
die Arbeitslosen Landschaften malen." Sie nimmt ihre Brille
ab und putzt sie mit einem Zipfel ihres lila Kleides.
"Nein, das glaube ich nicht."
"Es ist gut gemacht", erklärt die Frau im lila Kleid.
"Sie nehmen nur die Arbeitslosen, die naturgetreu malen können.
Die anderen müssen die Kartonwände aufstellen. ? Schau
mal aus dem Fenster! Wenn der Zug das nächste Mal eine Kurve
macht, kannst du links oben auf dem Berghang eine Steinziege sehen.
Sie steht immer da, weil sie nur gemalt ist."
kurze Geschichte
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